Schulabgänger im Landkreis Harburg zeigen wenig Interesse an Lehrstellen in Logistik und Gastronomie.
Unter den Angestellten des Sportgeschäfts Lehrke in Buchholz herrscht familiäre Stimmung. Das Team ist jung, motiviert, und die Inhaber Björn und Petra Sensche zählen auf Nachwuchs. Dennoch konnten sie bis jetzt den Ausbildungsplatz zum Kaufmann im Einzelhandel für den August 2009 noch nicht besetzen. “Wir haben nicht viele Bewerbungen bekommen”, sagt Petra Sensche. “Und die, die uns zugesandt wurden, haben uns nicht angesprochen. Wenn jemand nur drei lose Zettel bei uns abgibt, zeigt der Bewerber uns, dass er den Job eigentlich gar nicht will.” Die Geschäftsführer wissen, wovon sie reden, denn derzeit arbeiten zwei motivierte und engagierte Auszubildende im dritten Lehrjahr im Sportgeschäft. Mit Anna Guhl (21) und Nadine Engelbarts (19) sind sie rundum zufrieden.
“Wichtig sind nicht allein die Schulnoten, sondern die Azubis müssen sich gut ins Team integrieren können”, sagt Björn Sensche. “In einem kleinen Betrieb arbeitet man eng zusammen, und wenn da das Arbeitsklima nicht stimmt, ist der Job für alle keine Erfüllung mehr.”
Doch nicht nur das Sportgeschäft Lehrke hat Probleme, Auszubildende für ihr Unternehmen zu finden. Im Landkreis Harburg sind derzeit rund 550 Plätze bis zum Sommer zu besetzen, in Harburg sind es etwa 300. Laut Volker Linde von der Industrie- und Handelskammer in Lüneburg seien besonders die Lehrstellen im Bereich Hotel und Gastronomie, aber auch in Transport- und Logistikunternehmen im Landkreis Harburg schwer an junge Menschen zu vermitteln. “Wir erleben es immer wieder, dass die Personalplanung bis kurz vor Ausbildungsbeginn andauert”, so Linde. “Die Bereitschaft der Firmen, auszubilden, ist trotz der wirtschaftlich schweren Lage immer noch groß. Nur die interessierten Jugendlichen für einige Bereiche fehlen derzeit.”
Ähnliches kann Sabrina Jessen von der Agentur für Arbeit in Harburg berichten. Als Arbeitsvermittlerin unterstützt sie Unternehmen, freie Ausbildungsplätze zu besetzen und trifft oftmals eine erste Vorauswahl unter den Bewerbern. “Man kann nicht pauschal sagen, was ein perfekter Azubi mitbringen muss”, so Jessen, die täglich mit unterschiedlichsten Lebensläufen, Anschreiben und Zeugnissen konfrontiert wird. “Aber wenn bereits der erste Eindruck schlecht ist, dann wird die Bewerbung schnell aussortiert.”
Immer noch bekommt die Arbeitsvermittlerin Lebensläufe mit Urlaubsfotos, und in den Texten wimmelt es von Fehlern. Trotz hoher Arbeitslosenzahlen können deshalb Ausbildungsplätze, zum Beispiel die des Berufskraftfahrers und der Fleischereifachverkäuferin schwer vermittelt werden. “Egal wie viele Ausbildungsplätze zum Sommer angeboten werden”, so Jessen, “nach dem Abschluss werden sich wieder diverse Schulabgänger bei uns als Arbeitssuchende melden.”
Auch die Baumschule Lorenz von Ehren hat sich an die Agentur für Arbeit gewandt, denn dort gibt es Probleme, zum August eine Lehrstelle zu besetzen. Personalchefin Angelika Rath war es bisher nicht möglich, passenden Nachwuchs für das Unternehmen zu finden. “Wir erleben es immer wieder, dass Jugendliche falsche Vorstellungen haben, wie der Beruf des Gärtners aussieht”, so Rath. “Es geht uns nicht darum, dass die Jugendlichen nur gute Schulnoten mitbringen, sondern dass sie auch anpacken können.”
Um das herauszufinden, müssen Ausbildungsanwärter ein zweiwöchiges Praktikum im Betrieb absolvieren. “Es wird dann ganz schnell sichtbar, ob jemand zu uns passt oder nicht”, sagt die Personalchefin. “Es gibt nicht den einen perfekten Azubi, sondern die Einsatzbereitschaft und die Freude an der Arbeit sind ausschlaggebend bei der Auswahl eines zukünftigen Mitarbeiters.”
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Admin